Mittwoch, 5. März 2014

Bankenmacht und Ohnmacht des Kunden

Hochhaus im Vordergrund: Deutsche Bank in Frankfurt am Main
Es werden immer wieder Entscheidungen darüber veröffentlicht, dass fehlerhafte Anlagenberatung zu Verlusten des Kunden führen. Aber das Tagesgeschäft der Universalbank konzentriert sich nicht nur auf die Geldanlage. Ein wichtiges Standbein sind die Einlagen, auch auf laufenden Konten (sogen. Girokonten). Aber was macht der Kunde, wenn die Bank keine Zahlungen mehr vornimmt, Überweisungsaufträge nicht ausführt und auch Guthaben nicht auszahlt ?

Der Leser wird denken, das geschieht nur dann, wenn der Kunde „in den Miesen“ ist, also selbst Verbindlichkeiten bei der Bank hat, die er trotz Fälligkeit nicht zurückführt. Weit gefehlt. Die Deutsche Bank (Deutsche Bank für Privat- und Geschäftskunden AG) führt Überweisungen auch dann nicht aus und nimmt Auszahlungen auch dann nicht vor, wenn der Kunde  keinerlei Verbindlichkeiten ihr gegenüber hat (vgl. meinen Artikel: Deutsche Bank: Nichtvornahme von Überweisungen und Auszahlungen auf Recht kurz gefasst). Problematisch kann ein solches Verhalten sein, wenn der Kunde auf das Geld angewiesen ist, z.B. da er nur über die Gelder auf den Konten bei dieser Bank verfügt und z.B. dringend Geld (z.B. zur Zahlung der Miete o.ä.) benötigt.

Zu denken wäre an eine Einstweilige Verfügung. Doch darf an sich bei einer solchen nicht die Hauptsache vorweggenommen werden, was der Fall wäre, wenn diese auf Auszahlung gerichtet ist (was sie sein müsste). Und Auszahlung gegen Sicherheitsleistung (z.B. die Bürgschaft einer Versicherung oder anderen Bank) würde vielen Kunden auch nicht helfen,  da sie (gar so schnell) kein Institut finden würden, welches eine derartige Bürgschaft übernehmen würde. Denn jedes Institut würde sich die Frage stellen, weshalb die Hausbank nicht die Auszahlung vornimmt und Böses wittern.

Immer mehr werden wir auf den bargeldlosen Verkehr eingestellt. Angedacht (und in anderen Ländern auch schon praktiziert) ist, das Bargeldvolumen zu kappen und größere Beträge nur noch über Kreditkarten oder Überweisungen / Einzugsermächtigungen zuzulassen (vgl. meinen Beitrag hier im Blog zu Abschaffung von Bargeld –Sinn und Zweck – Vision oder Realität und mögliche Folgen).  Und wer zahlt z.B. seine Miete noch bar ? Wer kauft einen Neuwagen noch mit Bargeld ? Die Finanzverwaltung lehnt jede Barzahlung ab und verlangt für Zahlungen die Überweisung (oder eine Einzugsermächtigung) und für Auszahlungen will sie ein Konto haben (was dann auch leichter für den Zugriff bei einer möglichen Vollstreckung ist). Konten werden gelistet. Wer einen Titel hat, kann über den Gerichtsvollzieher eine Nachfrage veranlassen, wo der Schuldner überall Konten besitzt. Der gläserne Bürger ist da.

Und was, wenn die Bank wie in dem
o.g. Fall der Deutschen Bank geschildert) grundlos keine Zahlungen vornimmt ?

Der Bankkunde sollte sich also keinesfalls auf ein Geldinstitut festlegen, sondern bei zwei oder mehr Geldinstituten seine Gelder anlegen. Auch eventuell (wenn er insbesondere grenznah wohnt) im Ausland. So hat er eine Notreserve, auf die er zurückgreifen kann. Er kann ja auch bei anderen Instituten Tagesgelder anlegen. Auch wenn derzeit der Zinssatz niedrig ist, hat er doch noch immer Einnahmen daraus. Und viele Institute führen nicht nur die Girokonten kostenlos, sondern auch Tagesgeldkonten. So wäre die Liquidität jedenfalls in einem geringen Umfang gesichert.

Dies unabhängig davon, dass die Allmacht der Banken (Geldinstitute) offenbar weiter zunimmt. Und der Gesetzgeber dem tatenlos  - wie stets bei Großunternehmen) zusieht. Bedenkt man in diesem Zusammenhang die Pläne der EU bzw. der Bankenaufsichten, kleine Geldinstitute zugunsten der Großen zu schließen, müssen die Bedenken noch weiter steigen. Nicht die kleinen Geldinstitute haben nationale Wirtschaften ins Schleudern gebracht, sondern die Großen. Zwar sind auch kleine Institute vor der „Pleite“ nicht sicher, doch deren Untergang kann aufgefangen werden. Bei den Großen (s. die Hilfsaktion für die Commerzbank) ist dies  weitaus aufwendiger und für den Steuerzahlerteurer. Und dass gar noch vor den Plänen, die Anleger (dazu gehören auch Inhaber von Girokonten !) zu beteiligen, ehe ein Rettungsfonds eingreift.


Die Ohnmacht des Bankkunden lässt sich also nicht beseitigen. Sie ist wohl systemimmanent  -  oder bessert ausgedrückt: gewollt. 

Dienstag, 11. Februar 2014

Deutschlands internationale Verantwortung – durch kriegerische Handlungen ?

Gabi Eder / pixelio.de
Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen, dürfe nicht nur kommentieren. Das ist die Ansicht der neuen, aus CDU/CSU und SPD bestehenden Bundesregierung. Man könne aus humanitären Gründen nicht zur Seite schauen, wenn Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind, so die neue Verteidigungsministerin von der Leyen. Doch bereits die jetzigen Bundeswehreinsätze im Ausland werden nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von 45% abgelehnt, gerade einmal 30% halten es gerade für richtig.

 Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Das war einmal - so dachten wohl viele. Mit den neuen Thesen wird das wohl (wieder) anders. Internationale Verantwortung durch militärische Einsätze. Das heißt auch, international offen und aggressiv Partei ergreifen. Und Partei wird für das ergreifen, was man sich selbst als Werte vorstellt. Nicht dass das heißt, die in Deutschland gelebten und gepflegten Werte wären zu verdammen. Aber man kann nicht sein „Ich“ auf Dritte einfach überstülpen, ohne Berücksichtigung nationaler, ethnischer, historischer und entwicklungsmäßiger Umstände. Die USA haben dies schon in der Vergangenheit bis in die Gegenwart versucht, doch sichtlich erfolglos. Das militärische Einschreiten bei Konflikten ist das Bestreben, die eigenen Werte in einem anderen Staat durchzusetzen. Dies ohne Berücksichtigung der benannten Umstände.

 Ein Staat, der nie eine Demokratie hatte, dessen Wirtschaft nie marktwirtschaftlichen Regelungen unterworfen war, in dem stets das Recht des Stärkeren galt, kann nicht von jetzt auf gleich umgestellt werden. Die Änderung muss behutsam erfolgen und den Bewohnern die Möglichkeit geben, sich in ein neues System einzufinden. Klassische Beispiele sind Russland und China. Durch seine Politik der Glasnost (Offenheit) und der Perestroika (Umbau) hatte Gorbatschow Russland in eine marktwirtschaftliche orientierte Demokratie umkrempeln wollen. Geblieben ist ein Scherbenhaufen. Putin regiert als Absolutist, Gegenregungen werden unterdrückt und die marktwirtschaftliche Ordnung ist eine solche, die von ihm vorgegeben wird. China hingegen geht ersichtlich einen anderen Weg. Der Sozialismus eines Mao Tsê-Tung gehört der Vergangenheit an. Immer mehr kommt der Kapitalismus und damit die Marktwirtschaft zum tragen. Ein langsamer, aber stetiger Wandel, der nicht die Bevölkerung durch einen Kraftakt überfordert.

 Es hört sich zunächst positiv an, wenn von der Leyen erklärt, man könne bei Mord und Vergewaltigung nicht einfach zusehen. Da muss ihr zunächst vom Standpunkt des die Gewalt als Mittel der Macht ablehnenden Bürgers zugestimmt werden. Doch verhindert das ein militärischer Einsatz ? Afghanistan ist doch bereits jetzt der Beweis dafür, dass dies auch bei militärischer Hilfe der Deutschen nicht gelingt. Nicht nur sind Deutsche dort auch für Massaker verantwortlich, auch wenn diese wohl eher unglücklichen Umständen zuzuschreiben sind. Aber der Militäreinsatz ist ein Kriegseinsatz, bei dem nicht immer Gut und Böse getrennt werden können. Krieg war und bleibt ein gefährliches Unterfangen für alle die beteiligt sind, und die Zivilbevölkerung, die zwischen die Parteien gerät (oder auch genutzt wird, z.B. als Schutzschilde) wird davon immer in Mitleidenschaft gezogen. Letztlich bedeutet ein solcher Einsatz tatsächlich die Teilnahme an dem was verhindert werden soll: Mord und Vergewaltigung.

 Die Redensart Der Zweck heiligt die Mittel gibt es auch in seiner Negation mit Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Die Teilnahme an einem Krieg bedeutet nicht, dass Frieden gestiftet wird. Sie bedingt lediglich, dass eine der am Konflikt Beteiligten weitere Verbündete (mit eventuell guten Waffensystemen, an denen es der Bundeswehr für solche Einsätze ohnehin derzeit ermangelt) hat. Die Beteiligung des einen Staates auf der einen Seite der Konfliktparteien kann auch die Beteiligung eines anderen Staates auf der anderen Seite herausfordern.

 Wie weit soll die militärische Bereitschaft gehen ? Dazu gibt es bisher keine Stellungnahme. Soll sie so weit gehen wie in Afghanistan, wo sich jetzt die „Befreiungstruppen“ zurückziehen und den Staat sich selbst überlassen ? Soll er so weit gehen, dass die bekämpfte Terrororganisation Al-Qaida wieder ihre Dominanz aufbauen kann und wieder alles wird wie es vor dem Einsatz war ? Oder so wie im Irak, wo auch nicht der Frieden eingekehrt ist und sich neue und alte Konfliktparteien nach wie vor Gefechte liefern und mit dem Abzug der US-Amerikaner davon auszugehen ist, dass die alte Wirklichkeit (in neuer Form und vielleicht viel schlimmer für die Bevölkerung) wiederhergestellt wird ?

 Derzeit sind 5000 Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen. Bis Juni 2013 gab es 103 Todesfälle, davon jedenfalls über 30 durch Fremdeinwirkung. Was aber haben die Auslandseinsätze gebracht ? Nichts. Das muss festgehalten werden.

 Warum also eine internationale Verantwortung militärisch pflegen ?

 Wilhelm II. kam einer vermeintlichen Bündnispflicht nach, als er nach dem Attentat von Sarajevo den Österreichern Beistand leistete. Folge war der 1. Weltkrieg. Es muss also nicht eine Aggression eines Hitlers sein, die Deutschland selbst in Bedrängnis bringt. Es mag auch eingewandt werden, dass damals andere Umstände vorlagen, dass eine „Kriegsluft“ insgesamt zu wittern war, wie einige Historiker darstellen. Besonderheiten sind nicht entscheidend. Entscheidend ist der Sinn und Zweck eines Unterfangens. Sieht man von der HSK 13 ab, war Deutschland nach dem 2. Weltkrieg entmilitarisiert. Die Bundeswehr hatte ihre Geburtsstunde dank der westlichen Alliierten dem (zu akzeptierenden Gedanken) der Selbstverteidigung und des sogenannten Kalten Krieges zu verdanken. Sie war jedenfalls nicht für einen Angriffskrieg aufgestellt worden. Und um einen solchen handelt es sich bei Auslandseinsätzen.

 Man denke an den Reichskanzler Bismarck. Er war sicherlich, was das Kriegshandwerk anbelangt, kein Kind von Traurigkeit. Sein Schachzug, Wilhelm II. und die anderen deutschen Staaten zum Krieg gegen Frankreich zu veranlassen und damit das Deutsche Reich zu einen, wird heute noch als diplomatische Glanzleistung angesehen. Nach 1871 hat er sich aber nicht mehr an solchen Kriegen beteiligt, war nur nach heutigem Sprachverständnis ein gefragter Sachverständiger und auch Mediator. Er hat sich im deutschen Interesse auf den rein diplomatischen Weg begeben. Vielleicht sollten die Vertreter „internationalen Verantwortung Deutschlands“ nicht nur deutsche Geschichte lernen und kennen, sondern sich auch mit den einzelnen Persönlichkeiten derselben und damit auch mit Fürst von Bismarck beschäftigen. Nicht nur mit kriegerischen Mitteln lassen sich Probleme lösen.
Kriegerische Auseinandersetzungen in Staaten wie z.B. heute aktuell Syrien können nur geführt werden, wenn die einzelnen Konfliktparteien dafür Munition im wahrsten Sinne dieses Wortes erhalten. Haben sie die nicht, kollaboriert nicht nur ein System, sondern die Auseinandersetzung als solche. Hier aber ist Diplomatie gefragt, da ansonsten doch in Extensio gedacht, gegen jeden mittelbar beteiligten auch der Krieg eröffnet werden müsste. Auf Grund der Zusammenhänge der Weltwirtschaft, nicht nur ihrer Verflechtungen sondern auch ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten, sind hier genügend Mittel gegeben, die als „Waffe“ genutzt werden könnten. Wenn Deutschland auf den Einsatz dieser Mittel hinwirken würde, dies unterstützen würde, wäre der Sache mehr gedient, als mit einem angedachten kriegerischen Einsatz, der nur den Waffenlobbyisten [Deutschland selbst soll nach USA (54 %), Belgien (6 %), Frankreich (5 %) mit 4% Deutschland 5-größter Exporteur sein, wobei allerdings China und Russland nicht benannt/bekannt sind] hilft.

 Dass die CDU für den Einsatz ist, mag von ihrem Selbstverständlich her verständlich sein (wobei allerdings das Engagement einer von der Leyen, die doch für Kinder der Soldaten sorgen will, unverständlich ist, da doch Gelder für die Aufrüstung der Bundeswehr mit modernen Waffensystemen zur eigenen Sicherung der Soldaten eher erforderlich wäre); für die SPD aber stellt sich dieses Tun als Abkehr von ihren alten „Tugenden“ dar und als vollkommene Umkehr.

Und überhaupt die Kosten: Kriege wurden in früherer Zeit geführt um zu siegen und dann erbarmungslos das besiegte Territorium auszunehmen. Damit waren die Kosten gedeckt. Hier aber soll der Steuerzahler für die doch als großspurig zu bezeichnenden Pläne der Bundesregierung zahlen. Der Preis wird hoch sein, da die Bundeswehr nicht über die entsprechenden Waffensysteme verfügt und anschaffen muss, die Renten an Unterhaltsberechtigte der im Kriegseinsatz getöteten Soldaten zahlen muss pp. Und das alles wegen letztlich nicht zu verwirklichenden humanitären Gründen ?

 Ein Gerhard Schröder hat, wenn auch wohl aus wahltaktischen Gründen, die Beteiligung an einem Iran-Feldzug abgelehnt (dann aber indirekte Hilfe gleichwohl geleistet). Das Verhalten war, wenn auch die Motive wohlverfehlt gewesen sein mögen, positiv. Aber leider befindet sich heute die Regierung nicht in der Lage, eine Person zu haben, die weise denken kann. 
Armes Deutschland. "Das ist schön bei den Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht." (Heinrich Heine)
 

Dienstag, 17. Dezember 2013

Abschaffung von Bargeld – Sinn und Zweck – Vision oder Realität und mögliche Folgen

Schon lange geistert die Überlegung der Abschaffung von Bargeld, in letzter Zeit vermehrt diskutiert. Aber die Realität zeigt, dass es nicht nur eine theoretische Überlegung ist, sondern auch in der Praxis schon zu erleben ist. Schweden hat es durchgeführt; in anderen Staaten wird der Kauf durch Bargeld beschränkt (Frankreich ab 2014), bzw. ist schon beschränkt (Griechenland, Frankreich, Italien). Es ist mithin keine Vision, sondern teilweise bereits blanke Realität. Damit wird die Macht der Banken aber auch des Staates erhöht. Gleichzeitig steigt die Gefahr des Verlustes.

Geld ist letztlich ein definiertes Tauschmittel. Statt eine bestimmte Anzahl von Hühnern für Weizen zu geben (reine Tauschwirtschaft) wird das Geld als Ersatz genommen und werden die zu kaufenden bzw. zu verkaufenden Produkte entsprechend dem Geld eingepreist. Letztlich ist Geld damit ein Hilfstauschmittel geworden.  Um einen gesicherten Wert für das Tauschmittel Geld zu erhalten, wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Goldstandard eingeführt, der dann in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch eine von den Notenbanken zu schaffende Preisniveaustabilität zu schaffende geldpolitische Maßnahme abgelöst wurde, weshalb Gold nur noch als Deckelung anzusehen war. Die durch Gold zunächst „verbriefte“ Sicherheit ging verloren. Gleichwohl blieb es bei diesem Tauschmittel.

Geld soll zwar nicht als solches abgeschafft werden. Aber das Bargeld wurde teilweise schon abgeschafft bzw. der Umgang mit Bargeld drastisch eingeschränkt; bisher nicht in Deutschland. Doch es ist eine Frage der Zeit, bis endgültig das Bargeld (überall) der Vergangenheit angehört. Gezahlt werden soll zwar weiterhin mit Geld aber dem sogenannten Buchgeld. Es sind die Guthaben (bzw. auch Überziehungsmöglichkeiten) auf Konten via Überweisung oder Kreditkarten. Dies erfordert bei den Kreditinstituten nicht das Vorhalten von auszahlbaren Beträgen (Bargeld), da “nur“ Buchgeld betroffen ist. Der Beitrag von Andreas Popp (vgl. Video auf http://youtu.be/AQPQPZbrFi0) verdeutlicht dies anschaulich.

Natürlich müssen auch Banken leben. Sie können also nicht nur die Einzahlungen bei sich horten. Wollen sie verdienen, müssen sie mit dem Geld arbeiten. D.h. auch, dass sie z.B. Kredite gewähren, die aus den Einzahlungen getätigt werden. Je weniger sie aber an Bargeld auszahlen müssen, umso mehr können sie die eingelegten Gelder selbst verwenden. Nicht nur zu Kreditvergaben, auch für (eigene) Spekulationen. Sie sind Gewinner, wenn Bargeld angeschafft wird. Denn über Buchgeld, mittels dessen sie Überweisungen und/oder Kreditkarten bedienen können, verfügen sie bilanziell immer noch  - bis zur Überschuldung und damit zum Crash. Dann müsste der Hilfsfonds einspringen, resp. nach der neuen Überlegung der EU, die in Deutschland umgesetzt wird, der Kunde selbst (evtl. erst ab einer Einlage auf allen Konten von über € 100.000,00).

Was aber hat der Staat davon ? Ist er nur Getriebener der Lobbyisten der Banken und Sparkassen ? Nein. Der Staat denkt hier auch an sich. Er denkt daran, Schwarzgelder aufzudecken bzw. das Schwarzgeldgeschäft zu verhindern. Wie soll, wenn kein Bargeld mehr existiert, die Putzfrau, der das Geld „zugesteckt“ wird, bezahlt werden ?  Wie soll der Gastronom, der kein Bargeld annehmen kann, Schwarzgelder gerieren ? Sicherlich stichhaltige Überlegungen, die dazu führen, dass das Brötchen von € 0,20 künftig mit Kreditkarte erworben wird.

Häufig wird argumentiert, es ginge um Terrorbekämpfung oder der Vorbeugung vor Terror, es ginge um die Geldwäsche. Das ist verfehlt. Die sogenannte Geldwäsche wird nicht über Bargeld ausgeführt. Es ist ein komplexes System., bei dem das Geld qua Überweisungen und Einschaltung Dritter und fingierter Leistungen transferiert wird. Nur das „kleine Schwarzgeld“ geht über die Barzahlung. Aber der Staat will diese „Schlupflöcher“ schließen. Wenn alles bargeldlos gezahlt wird / werden muss, hat er die Kontrolle. Er kann prüfen und über die Geldverkehrskonten der Banken und Sparklassen Querprüfungen vornehmen.

Während es den Banken und Sparkassen um die Vermehrung des Buchgeldes geht, um so mehr Liquidität für andere Geschäfte zu schaffen, geht es den Staat einzig um die Kontrolle, um mehr Steuereinnahmen zu generieren. Darüber hinaus schafft der Staat auch durch den Zwang, nur noch (jedenfalls bei größeren Zahlungen) per Überweisung oder Kreditkarte zu zahlen, den Zwang, dass das Geld bei den Banken / Sparkassen angelegt wird, und so  - bei deren Insolvenz -  auch als Haftungsmasse zur Verfügung steht.

Dem Moloch Staat wird sich keiner entziehen können. Aber die Frage ist, ob es letztlich bei einer staatlichen Währung verbleibt. Ursprung war der Tauschhandel. Dieser lässt sich wiederbeleben. Soweit hier Zahlungsmittel in Form von Geld notwendig sind, kann es auch zur Parallelwährung kommen, die nicht von Staat kontrolliert wird. Dann muss er erneut aktiv werden und sein wahres Gesicht zeigen.   Und die Banken / Sparkassen: Sie hatten früher um die Eröffnung von Girokonten gebuhlt, verlangen heute (mit Ausnahmen) hohe Gebühren; sie können sich über den Zwangszufluss zusätzlich freuen und ihre Gebühren (nach oben) anpassen.

Mittwoch, 13. November 2013

Moloch EU – das ungeliebte Überkind bestätigt die Europakritiker


Deutschland hat Exportüberschüsse. Dadurch glänzt Deutschland gegenüber den anderen Staaten in der EU. Und dadurch kann die EU überhaupt finanziert werden, bedenkt man, dass Deutschland der größte Nettozahler der EU ist und auch am Europäischen Stabilitätsmechanismus nicht nur mit der höchsten Bürgschaft sondern auch der höchsten Barzahlung beteiligt ist. Und nun will diese EU, unter Führung seines portugiesischem Kommissionsprädidenten  José Manuel Durão Barroso prüfen, ob nicht gegen Deutschland ein Bußgeldverfahren im Hinblick auf den Leistungsbilanzüberschuss eingeleitet werden muss.
Soll nur der Ast abgesägt werden, auf dem doch die EU wesentlich ruht ? Oder soll Deutschland ob seiner Stärke abgestraft werden, damit es sich ebenso in eine wirtschaftlich verfehlt verhält wie andere Staaten der Gemeinschaft, um so eher dem europäischen Armenhaus statt der Vorreiterstellung zugeordnet zu werden ?
Auch der Präsident der EZB, der Franzose Mario Draghi, hat erkannt, dass es ein Fehler wäre, Deutschland zu schwächen. Die Ökonomen halten letztlich unisono die Vorgehensweise von Brüssel für verfehlt. Soll also Deutschland nur geschwächt werden ? Anders kann es wohl kaum verstanden werden. Während in Deutschland seit der Einführung des Euro gespart wurde, eine gemäßigte Lohnpolitik betrieben wurde, wurde in anderen Staaten das Leben in vollen Zügen genossen, koste es was es wolle. Die Rechnung wollen diese Staaten aber nicht zahlen, sondern Hilfe der anderen erhalten, namentlich aus Deutschland. Eine Hilfe, die nur erfolgen kann dank der Enthaltsamkeit in Deutschland.
Die EU wird ohnehin als Moloch gesehen. Ein Gebilde unbekannten Ausmaßes, welches nur sehr bedingt einer parlamentarischen Kontrolle unterliegt. EU-Regelungen, deren Sinnhaftigkeit häufig nur im Selbstzweck der Beschäftigung der EU-Bürokratie erkannt wird, nehmen Überhand; nationale (demokratisch legitimierte) Parlamente, die letztlich den Willen dieser Bürokratie umsetzen müssen und damit keine Entscheidungskraft mehr haben. Ein EU-Parlament, dessen wesentlicher Einfluss nur über das Haushaltswesen ausgeübt werden kann, welches von der EU-Bürokratie schlicht durch Verlagerung der Kosten auf die EU-Staaten umgangen werden kann.
Es mag richtig sein, dass dort, wo ein Gewinner ist, auch Verlierer sind (nicht sein müssen). Es mag auch richtig sein, dass die Sparpolitik in Deutschland nicht dazu geeignet ist, ein Konsumklima anzuheizen. Es wird immer wieder gefordert, Deutschland solle Investitionen und Konsum stärken, etwa durch Mindestlohn und niedrigere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Dies wird auch in Deutschland thematisiert. Allerdings wird auch die wirtschaftliche Stabilität geachtet. Dass aber wäre  - folgt man Barroso -  zu vernachlässigen.
Die korrekte Forderung Barrosos hätte sich an andere Staaten der EU richten müssen: Mehr für die eigene Wirtschaftskraft zu tun. Nicht übermäßig Löhne zu erhöhen und zu konsumieren und investieren, bis die Wirtschaft am Boden liegt. Nicht Deutschland handelt verfehlt, es sind jene Staaten, die gerade das perfekt praktizieren, was nun von Deutschland gefordert wird. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt, niedergelegt in Art 126 AEU-Vertrag und dem dem Vertrag beigefügten Protokoll Nr. 12, sind die Grundlagen der EU und der Währungsunion. Hier wird im wesentlichen gefordert, dass  im Zusammenhang mit dem Euro die Mitgliedsstaaten in wirtschaftlich normalen Zeiten einen annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt sowie eine Begrenzung ihrer öffentlichen Verschuldung beachten. Es mögen derzeit keine „normalen Zeiten“ sein; dies hindert aber doch nicht die Beachtung des Ziels, gar vor dem Hintergrund, dass andere Staaten diese Zielsetzung ersichtlich völlig aus den Augen verloren haben.
Damit lässt sich der Vorstoß Barrosos nur so verstehen, dass Deutschland  - koste es was es wolle -  geschwächt wird. Deutschland droht ein Bußgeld in Höhe von 0,1% des Wirtschaftswachstums, also rund 2,7 Milliarden Euro.
Die Montanunion, gegründet 1951 und in Kraft getreten 1952, war ein deutsch-französisches Kind unter Beteiligung von Italien und den Benelux-Staaten. Aus ihr entstand die heutige EU, die sich zum Überkind, einem kaum noch beherrschbaren Moloch mit mehr als fragwürdiger demokratischer Legitimation entwickelt hat. Verständlich, dass viele Europäer neidisch auf das vermeintlich so reiche Deutschland schauen (obwohl es gar nicht so reich ist, wie andere Staaten der EU). Der Neid wird durch stabile Wirtschaftskraft von Deutschland gespeist. Eine Wirtschaftskraft, die in anderen Staaten wegen der dortigen verfehlten Wirtschaftspolitik fehlt. Also eine Strafe für Deutschland für vernünftiges Verhalten ? Der Vernünftige soll sich dem Unvernünftigen beugen. Ein groteskes Verlangen.
Die AfD trat in den Bundestagswahlen als Gegner dieser europäischen Politik an und verfehlte nur knapp den Einzug in den Bundestag. Ihr Erfolg bei knapp unter 5% macht aber deutlich, dass die Euro- und Europaskeptiker nicht vereinzelt sind. Ein Verfahren, wie es hier nun gegen Deutschland eingeleitet werden soll, wird wohl von einigen Staaten mit Wohlwollen gesehen und eventuell diese gar noch in ihrer verfehlten Wirtschaftspolitik bestärken. In Deutschland wird es aber eher die Euroskeptiker bestätigen und die Anzahl der Europa-Gegner steigern.
Es würde Barroso und der EU-Bürokratie gut tun, wenn sie den ernsthaften Versuch unternehmen würden, die Schuldenstaaten Europas aus ihren Trümmern zu holen und zu veranlassen, diesbezüglich eigene Initiativen zu ergreifen. Dies kann nicht dadurch erfolgen, dass eine intakte Wirtschaft ebenfalls lahm gelegt wird. Dies würde weder Deutschland noch der EU irgendwie helfen.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Demokratie im Widerspruch zwischen Sinngehalt und Wirklichkeit


1. Staatsphilosophien  gibt es ihrer viele. Je nach Zeit wird der Versuch unternommen, das bestehende Staatsgebilde zu rechtfertigen oder neue zu entwerfen. Teilweise gepaart mit merkantilen Gedankengängen. Doch der Pragmatismus steht über der Philosophie. Bestärkt die Philosophie den Pragmatiker, nimmt er sich gerne dessen an.  

Platon (aus Wikipedia)
Philosophie als Bestärkung des Bestehenden oder als Entwurf des Besseren ? In beiden Fällen dient der Philosoph nur als Bestärkung für denjenigen, der vorgibt, die Idee zu leben, zu verwirklichen. Der Philosoph ist selten selbst der Revolutionär, der seine philosophischen Gedanken umsetzt. Bestärkt er eine Seite mit seinen Ideen, ist er allenfalls Werkzeug. Ohne Einfluss auf Art und Weise der Umsetzung und Verwirklichung.  

Der philosophische Kraftakt ist die Entwicklung eines Wertesystems, an der er denn sein Staatschema aufbaut. Das Wertesystem als Grundlage der Überlegung eines Staatssystems. Damit aber sind die Wertesysteme absolute Systeme, Grundanker der borgestellten staatlichen Verfassung. Wird das Wertesystem verändert, wird ein wesentliches Element der Vorstellung geändert und berührt damit die darauf basierende Verfassung. Derjenige, der die Veränderung vornimmt, mag pragmatische Gesichtspunkte benennen können, die die Veränderung notwendig machen. Doch alleine diese Gesichtspunkte haben auf das Resultat Einfluss. Moleküle können ohne Beeinträchtigung des Ergebnisses nicht beliebig verändert werden; jede Veränderung eines Moleküls einer Gesamtheit hat Auswirkungen auf den Gesamtzustand. Dabei ist der Umfang des Eingriffs beliebig. Die Vorgabe, man wolle so nur das Ergebnis bestärken, rechtfertigt den Eingriff nicht. Denn nicht das Ergebnis wird bestärkt, sondern gerade eine neues willentlich erzeugt. Wir durch Veränderung der Molekularbasis eine Gegenstand verhärtet und resistent gegen bestimmte Einflüsse gemacht, entspricht dieser nicht mehr dem vorherigen Gegenstand, da dieser gerade nicht resistent war. Auch wenn äußerlich der Eindruck der Gleichheit erweckt wird, ist es nicht der Fall. Damit ist aber auch in Frage zu stellen, ob mit der Veränderung der Grundlagen trotz oberflächlich betrachteter Gleichheit eine solche besteht.  

Anders als bei naturwissenschaftlichen Prozessen ist der philosophische Staatsaufbau auf seine Kernaussagen zurückzuführen und lebt von diesen. Er ist auf diese zurückzuführen. Eine Veränderung dort führt also immer zur Veränderung des Ergebnisses.


Hegel (aus Wikipedia)
2. Die Herrschaft des Volkes eines Staates über diesen ist ein komplexes Werk. Es vereinigt notgedrungen die Vermengung verschiedenartiger Interessen, Denkweisen, Vorstellungen und auch Handlungsweisen. Anders als in einer autoritären Staatsform, bei dem eine bestimmte Person oder (schon schwieriger) Personengruppe die Entscheidungsgewalt haben soll, wird sie hier abgegeben an  die Bewohner des Staates selbst. Gemeinhin wird diese Form der Herrschaft als Demokratie bezeichnet. Auch hier gibt es bereits verschiedene Grundsysteme, die (mehr oder weniger deutlich) ausgelebt werden. Zum einen z.B. die parlamentarische Demokratie (so in Deutschland, bei der die Bewohner die Parlamente wählen, die ihrerseits die Regierungen wählen und über Gesetze beschließen), zum anderen z.B. Mischsysteme wie in der Schweiz (wo vieles qua Volksabstimmung bestätigt werden muss).  

2.1. Es ist vorliegend nicht der Raum, sich hier mit der Effizienz und Praktikabilität der Systeme näher auseinanderzusetzen und zu untersuchen, ob und inwieweit sie dem jeweiligen Grundgedanken der Demokratisierung entsprechen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Systeme ist jedenfalls die Entscheidungsbefugnis der Bevölkerung. Diese geht in einem System lediglich dahin zu bestimmen, wer von verschiedenen Gruppierungen nach der Mehrheitsmeinung in einem überschaubaren Zeitraum von regelmäßig vier oder fünf Jahren die Entscheidungsbefugnis über die Geschicke der Bevölkerung haben soll, im anderen (zusätzlich) darum, welche Maßnahme getroffen werden soll. Beides setzt Wissen voraus. 

Wissen ist subjektiv  wie auch objektiv zu definieren. Subjektiv ist dabei der Wille, sich Erkenntnisse zu verschaffen, die es einem ermöglichen, eine Entscheidung zu treffen. Erkenntnis ist dabei nicht eine rein subjektive, bar jeder objektiver Befunde aufkommende Meinung. Es verlangt eine Auseinandersetzung. Das Befassen mit der Thematik. Die Erkundung dessen, was alles Grundlage für eine Entscheidung ist und wie sie (und von wem sie) verwirklicht wird.  Nur wer dieses Wissen hat, kann tatsächlich, wenn auch sicherlich geprägt von seinen eigenen Interessen, eine Entscheidung treffen. Wissen ist hier nicht die Kenntnis von Parolen oder Antiparolen; es setzt Kenntnis über die tatschlichen Umstände und  - bei Wahl von Parlamenten – Kenntnis von dem voraus, was die einzelnen Gruppen wollen. Die Demokratie als Ausdruck des Willens der Mehrheit der Bevölkerung kann von ihrem gedanklichen Ursprung her nur leben, wenn auch aktive Demokratie in Form der Kenntniserlangung zur Willensbildung betrieben wird.  

2.2. Ist dies im Hinblick auf die Komplexibilität schon schwierig, wird es aber zudem noch weiter erschwert, letztlich unmöglich gemacht. 

Kant (aus Wikipedia)
2.2.1. Es fängt an mit den Gruppierungen (Parteien), die sich zur Wahl für die Parlamente stellen. Selbst bei Kenntnis ihrer Wahlprogramme lässt sich nicht borhersagen, dass diese auch eingehalten werden. Wahlprogramme und –aussagen haben mehr den Charakter von Werbung für Reinigungsmittel: Der Schmutz verschwindet spurlos, mühelos. Die Anwendung durch den Verbraucher lässt Zweifel am eigenen Ich aufkommen. Wahlaussage als reines Werbespektakel oder tiefer Bedeutung ? Damit wird das Volk irregeführt und die Herrschaft durch das Volk ausgehöhlt. Nun werden die Protagonisten dieser Gruppen einwenden, die Verwirklichung scheitere an Koalitionen mit anderen und/oder  den aktuellen Tagesthemen. In beiden Fällen ändert sich nichts daran, dass die Wahlprogramme falsch und damit irreführend sind, da sie nicht umgesetzt werden. Der Wähler, der nur durch seine Stimmabgabe an der Herrschaft beteiligt wird, wurde getäuscht. 

Die Täuschungshandlung kann nicht mit der Angabe beseitigt werden, es hätte eine Kompromiss im Rahmen einer Koalition mit einer anderen Gruppe gefunden werden müssen. Schon vor der Wahl wäre es möglich gewesen sich auf diese Möglichkeit einzustellen und mithin mitzuteilen, welche programmierten Ziele man bereit sei zu streichen oder in gewisser Art und Weise zu revidieren.  

Schwieriger mag dies bei den sogen. Tagesthemen sein. Es müsste sich dabei um Ereignisse handeln, die so nicht vorhersehbar waren. Politische und wirtschaftliche Umstände, mit denen faktisch die regierende Gruppe förmlich überrascht wurde. Bedenkt man, dass von Wirtschaftsunternehmen verlangt wird, auch für außergewöhnliche Ereignisse  (wie z.B. Ausfall der gesamten Belegschaft) Vorsorge bilanziell (wenn auch nicht in der Steuerbilanz) darzustellen, wäre auch hier sicherlich eine Möglichkeit gegeben, für außergewöhnliche Ereignisse eine mögliche Änderung der programmatischen Daten darzustellen. Das erfolgt aber nicht.  

2.2.2. Noch problematischer ist aber die allgemeine Kenntniserlangung. Unabhängig von programmatischen Aussagen der Gruppen ist die Kenntnis der tatsächlichen Umstände. Dies setzt nicht nur eine Beschäftigung der staatstragenden Bevölkerung mit diesen voraus, sondern auch deren Kenntnis. Kenntnis ist das Wissen um alle Faktoren, die für die Bestimmung eines Ergebnisses von Relevanz sind. Viele Informationen werden aber nicht erteilt, oder zumindest nicht offen erteilt. Informationen werden verschlüsselt oder gar nicht erst weitergegeben, oder auch falsch weitergegeben. Ob nun wirtschaftliche Daten, die ob der Art statistischer Ermittlung bzw. Behandlung unverständlich sind oder sogar ein falsche Bild tatsächlicher Umstände abgeben (man denke an die Angaben über die Inflation, die dank eines nicht den Lebensumständen der breiten Bevölkerungsmasse angepassten Warenkorbes nicht der gefühlten (realen) Inflation entspricht, an Arbeitslosenstatistiken, die bereinigt sind um Sonderprogramme für Arbeitssuchende pp., oder aber (teilweise offiziell mit Staatsschutzgründen begründete) Nicht-Mitteilungen über politische Vorgänge betroffen sind, ebenso Negierungen von Umständen bis zum Beweis des Gegenteils  -  immer handelt es sich um Faktoren, die für die notwendige Meinungsbildung und Entscheidungsfindung (mit) entscheidend sind.

Erfolgt aber eine bereinigte Information der staatstragenden Bevölkerung kann diese ihre Funktion in dem Modell Demokratie nicht  - schon gar nicht verantwortungsvoll -  wahrnehmen.    Weitergehend ist sogar ob derartiger geschönter Information fraglich, ob die gewählten Vertreter der Gruppen, die letztlich die staatstragende Bevölkerung repräsentieren sollen, in der Lage sind, Entscheidungen verantwortungsbewusst zu treffen, unabhängig davon, dass ihre Entscheidung ohne Legitimation der staatstragenden Bevölkerung  - die wegen fehlender Information ihre Rolle nicht wahrnehmen kann -  erfolgt. 

Sieht man von einer Verschleierung durch Auswahl von Datenmaterialien ab, was sich nicht mit staatstragenden Gründen rechtfertigen lässt, bliebe allenfalls zu prüfen, ob eine Staatssicherheit der Information entgegengesetzt werden kann. Hier bedarf es der Abwägung der Rechtsgüter. Unabhängig davon, dass nicht unbedingt die Staatssicherheit als solche tangiert sein muss, wenn aus diesem Grund Informationen vorenthalten werden, sondern auch ein gefestigter Machtapparat geschützt werden kann / soll, lässt sich die Geheimhaltung ohnehin im Hinblick auf die strukturelle Anlegung des Systems nicht rechtfertigen. Staatssicherheit ist gleichermaßen ein Phänomen, über welches derjenige informiert werden muss, der als  erster berufen ist, über die staatlichen Geschicke zu entscheiden. Ist aber als Souverän nicht ein mit absoluter Machtbefugnis ausgestatteter Herrscher entsprechend dem monarchischen Gedanken vorgesehen, sondern die Bevölkerung selbst, dann muss sie auch direkt informiert werden. Die Gefahr der Verbreitung von Informationen, deren öffentliche Kenntnis selbst eine Gefährdung erst herbeiführen kann, die dann nicht mehr beherrschbar oder abwehrbar sein könnte, ist als systemimmanent hinzunehmen. Wollte man dies abweichend beurteilen um den Souverän zu schützen, würde letztlich ein Dritter (nämlich der Informationsträger)  an Stelle des Souverän auch Entscheidungen treffen.  Dies entwurzelt die systembezogenen Grundlagen und lässt nur noch ein Fragment bestehen, welches auch deshalb bereits fragwürdig ist, da der eigentliche Souverän nicht einmal sicher sein kann, dass die vorenthaltene Information tatsächlich die Sicherheit des Staates als solchen und nicht nur die Sicherheit der freien Handlung derjenigen betrifft, die an sich nur Werkzeug bzw. Vollzugsorgan  der Willensentscheidung der staatstragenden Bevölkerung sein sollen.  

Nationalversammlung in der Paulskirche 1848 (aus: Wikipedia)
3. Das Modell der Selbstbestimmung der Bevölkerung im Rahmen einer parlamentarischen oder auch direkten Demokratie ist gescheitert, wenn es zum  einen von denen, die hier zur Mitbestimmung berufen sind, nicht genutzt wird, zum anderen, wenn es mangels umfassender und korrekter Informationen nicht genutzt werden kann.   

Der Weg zur Demokratisierung ist mithin noch lange nicht vorbei, sondern befindet sich in seinen Anfängen. Solange eine Regierung und der ihr unterstellte Beamtenapparat als auch ein Parlament meint, Entscheidungen treffen zu können, die nicht dem Informationsstand des Souverän entsprechen, ist der Souverän nur Beiwerk und nicht tragend im System. Dies gilt um so mehr dann, wenn die Entscheidungen auf Kontrollen des Souverän gerichtet sind, da diese Kontrollen wiederum einen Machtapparat stärken, der so dem Prinzip der Selbstbestimmung der Bevölkerung widerspricht.

Montag, 23. September 2013

Linke und SPD in Hessen -- Machtwillen oder demokratische Entscheidung ?

Die Geschichte der Linken ist bewegt. 1946 entstand aus einer Zwangsfusion der KPF mit der SPD in der sowjetischen Besetzungszone die SED, die staatstragende und diktatorisch herrschende Partei in der DDR. Ihr Ende war an sich mit der Grenzöffnung 1989 besiegelt. Doch Totgesagte leben länger.  Im Dezember 1989 benannte sich die SED um in SED-PDS  (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands – Partei des Demokratischen Sozialismus). Im Februar 1990 blieb dann nur noch der Name PDS. Nachdem sich 2004 die WASG (Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative) aus abtrünnigen Mitgliedern der SPD gebildet hatte, erfolgte im Juni 2007 der Zusammenschluss von PDS und WASG zur Partei Die Linke.

 

Eine dem Totalitarismus abstammende Partei wie die SED will nun unter der Bezeichnung Die Linke demokratisch legitimiert den Sozialismus predigen und durchsetzen, der zu Zeiten der DDR diese in den wirtschaftlichen Ruin führte und letztlich  - dank der Politik des Glasnost (Offenheit) des damaligen Sowjetführer Gorbatschow -  zum gewaltlosen Umsturz und damit zur Wiedervereinigung von Deutschland führte.  Man könnte meinen, es sei alles vergessen. Die Zeiten der DDR, in denen es um die Überwachung und Bespitzelung der eigenen Bürger zwecks Erhaltung des obrigkeitlichen Regimes ging, in denen ein freie Reise(gar Auswanderung)  ins Ausland ebenso wie die Bekundung von eigenen, regimekritischen oder das Regime gar in Frage stellenden Gedanken verboten war, in denen Mangelwirtschaft die Regelwirtschaft war, scheint einer fernen, längst  vergessenen Vergangenheit anzugehören. Obwohl in dieser Partei Die Linken immer noch Leute das Sagen haben, die auch zu Zeiten der SED in der DDR deren Mitglied war. Zuletzt war er in der DDR mitverantwortlich bei der Ausarbeitung eines Reisegesetzes, mit dem die damalige SED-Führung versuchte, die Abwanderungsbewegung und den Zerfall der DDR zu verhindern.

Eine dem Totalitarismus abstammende Partei wie die SED will nun unter der Bezeichnung Die Linke demokratisch legitimiert den Sozialismus predigen und durchsetzen, der zu Zeiten der DDR diese in den wirtschaftlichen Ruin führte und letztlich  - dank der Politik des Glasnost (Offenheit) des damaligen Sowjetführer Gorbatschow -  zum gewaltlosen Umsturz und damit zur Wiedervereinigung von Deutschland führte.  Man könnte meinen, es sei alles vergessen. Die Zeiten der DDR, in denen es um die Überwachung und Bespitzelung der eigenen Bürger zwecks Erhaltung des obrigkeitlichen Regimes ging, in denen ein freie Reise(gar Auswanderung)  ins Ausland ebenso wie die Bekundung von eigenen, regimekritischen oder das Regime gar in Frage stellenden Gedanken verboten war, in denen Mangelwirtschaft die Regelwirtschaft war, scheint einer fernen, längst vergessenen Vergangenheit anzugehören. Obwohl in dieser Partei Die Linken immer noch Leute das Sagen haben, die auch zu Zeiten der SED in der DDR deren Mitglied war. Zuletzt war er in der DDR mitverantwortlich bei der Ausarbeitung eines Reisegesetzes, mit dem die damalige SED-Führung versuchte, die Abwanderungsbewegung und den Zerfall der DDR zu verhindern.
 
Vom Saulus zum Paulus ? Die von der letzten Regierung der DDR unter Lothar de Maiziere ins Leben gerufene Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR  (UKPC) [1] war ihm Verschleierung des SED-Parteivermögens vor und auch, dass er versucht habe, Gelder ins Ausland zu verschieben um sie so dem staatlichen Zugriff zu entziehen. Auch der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages gab 1998 an, dass Gysi zum Verbleib des Parteivermögens ebenso wie weitere Funktionäre der ehemaligen SED  (zu dieser Zeit PDS) geschwiegen hätten und damit den Ausschuss behindert hätten [2]. Verwunderlich ? 1989 schon unterstützte Gysi den Fortbestand der SED (unter neuen Namen) mit der Begründung, ansonsten gäbe es juristische Auseinandersetzungen im Hinblick auf das Parteivermögen der SED [3]. 
Die Kurzatmigkeit historischen Denkens lässt sich wohl nur mit einem Verdrängungswillen erklären. Eine Partei wie Die Linke, mit ihrem bewegten, die Demokratie verachtenden Lebenslauf, als eine regierungsfähige und damit staatstragende Partei anzusehen, kommt wohl  einem Pardoxon gleich.
Es mag sein, dass ein Schäfer-Gümbel als Spitzenkandidat der SPD im hessischen Landtagswahlkampf, kein Vergnügen darin sieht, mit der stärksten hessischen Partei, der CDU, zu koalieren. Es mag auch sein, dass es zu viele Gegensätze zwischen Grünen und CDU gibt, die einer Koalition dieser zwei Parteien entgegenstehen.  Aber der Machtwille der SPD, nun den Gedanken zu fassen eine Koalition mit Grünen und der Linken einzugehen lässt doch die Frage aufkeimen, welches Geschichtsbewusstsein und welche Annahme demokratischer Legitimation die SPD hat. Schon einmal, nach den Landtagswahlen 2008, war die Frage der SPD nach einer Unterstützung durch die Linken (damals angedacht als „Duldung“ durch die Linken) gestellt worden, aber durch Abgeordnete der SPD verhindert (mit der Folge von Neuwahlen, bei denen CDU und FDP obsiegten). Ebenso wie zu Zeiten, als die NPD in Landtagen Einzug hielt, es als „Out“ galt, mit dieser Partei zu koalieren oder sich von ihr dulden zu lassen, kann doch auch schon aus der geschichtlichen Entwicklung der Linken heraus eine Duldung oder gar Koalition mit dieser nur „Out“ sein.
Steinbrück, Spitzenkandidat der SPD bei den Bundestagswahlen am 22.09.2013, gab am Wahlabend  - zumindest verbal -  an, eine Koalition mit der Linken würde es nicht geben. Dies wird aber wohl von der hessischen SPD anders gesehen. Hier scheint man mehr auf ein „koste es was es wolle“ zu setzen, um an die Regierungsmacht zu kommen. Eine Koalition mit einer Partei, die über vierzig Jahre diktatorische Machtherrschaft ausübte, wird dabei auch ins Auge gefasst [4].
Es ist zwar traurig, wenn sich demokratische Parteien, zumal wenn sie sich als Volksparteien deklarieren, nicht in der Lage sind einen gemeinsamen Konsens zu finden. Die Alternative kann aber nicht sein, mit einer Partei zu koalieren oder in sonstiger Art zusammenzugehen, die in ihrer Geschichte eindeutig antidemokratische Verhalten zur Tagesordnung gemacht hatte. Dann bliebe nur der Weg der Neuwahlen.
Letztlich wird der Bürger irgendwann wohl entscheiden müssen. Und er wird auch beachten müssen, welche Koalitionen eine bestimmte Partei eventuell eingeht.
  

Bundestagswahl 2013: Alles Verlierer

Es gab zwei Parteien , die gegenüber den vorherigen Bundestagswahlen prozentmäßig zulegten: die CDU an erster Stelle mit plus 7,7%, die SPD mit plus 2,7%. Während die CDU ihr bestes Ergebnis seit 1994 „einfuhr“, ist es doch bei der SPD das zweit schlechteste Ergebnis. Trotz der Stimmengewinne dieser zwei Parteien gehören beide doch auch zu den Verlierern der Wahl.

Die FDP ist Wahlverlierer, fiel sie doch mit einem Verlust von 9,8% auf 4,8% und scheiterte ihr Wiedereinzug in den Bundestag damit an der 5%-Hürde.  Die Grünen gehören aber auch zu den Verlierern der Wahl,  sind sie zwar mit 8,4% wieder in den Bundestag eingezogen, haben aber gegenüber 2009 doch 2,3% verloren. Ebenso Die Linke: Auch wenn sie im derzeitigen Parteienspektrum die Nummer 3 ist, vermag sie nicht zu verbergen, dass sie mit jetzt noch 8,6% immerhin gegenüber 2009 3,3% verloren hat.

Aber auch CDU und SPD sind Wahlverlierer.

Die SPD hat nicht erreicht was sie wollte: Einen deutlichen Auftrieb und die Möglichkeit, mit den Grünen (alleine) zu koalieren. Die SPD und/oder deren Kandidat Steinbrück, der im Wahlkampf kein Fettnäpfchen am Rande ungenutzt stehen ließ, dann, nachdem er bei dem Kandidatenduell im Fernsehen Punkte machte, doch diese wieder verblassen lies durch einen dritten Finger an der Hand, sind ersichtlich Verlierer.

Und die CDU ? Sie legte zwar kräftig zu, sieht sich nun aber vor dem Problem, ihren bisherigen Koalitionspartner verloren zu haben und ferner vor dem Problem, dass die eventuell in Betracht kommende Parteien SPD und Grüne an sich nicht mit dem Brautwerber CDU gehen wollen. Denn dieser Brautwerber ist dafür bekannt, dass er die Braut ausnimmt, wenn von ihr nichts mehr zu sehen ist, fallen lässt. Fürsorge für den Koalitionspartner kennt die CDU nicht. Unter Merkel hat die CDU erstmals in der Regierung mit der SPD bis 2009 gezeigt, wie man den Koalitionspartner ausnutzen kann. Die SPD erzielte in der nachfolgenden Wahl ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der BRD. Und jetzt die FDP: Hatte sie noch 2009 ein Allzeithoch, wurde sie in der Koalition mit der Merkelschen CDU letztlich kaltgestellt, verkam zur Bedeutungslosigkeit. Was also hat die CDU von ihren Zugewinn, kann sie doch nicht (mit der Schwester CSU) alleine regieren und hat nun Schwierigkeiten, einen Koalitionspartner zu finden.  

So könnte das bravouröse Ergebnis der CDU für deren Vorsitzende und Bundeskanzlerin Merkel zu einem Waterloo werden. Wird sie jetzt für eine Koalition geopfert oder muss sie sich dem möglichen künftigen Koalitionspartner unterwerfen ? Oder kommt es zu keiner Koalition sondern zu Neuwahlen ?